Klimaschutz in der Gemeinde

Bei herrlich kaltem, grauen Wetter hatte sich Lisa Badum, Mitglied des Bundetages und dort klimapolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN sowie Mitglied des Umweltausschusses, auf Einladung des Ortsverbandes nach Bindlach aufgemacht. Dort wurde sie von einem Dutzend interessierter Mitbürger*innen und GRÜNEN (unter ihnen Tim Pargent, Mitglied des Landtags, und Landratskandidat Andreas von Heßberg) an der Storchenwiese zu einer Ortsbegehung am 7. März 2020 empfangen.

Torben Schlieckau erläuterte, warum man sich an der sog. Storchenwiese treffe, weil man unbedingt den Grünzug zwischen Bayreuth und Bindlach als grüne Lunge, Feuchtwiese und Lebens-/Nahrungsraum für den
Storch – der war übrigens auch anwesend – sowie Kaltluftschneise erhalten wolle. Und man sehe von hier aus die vierte Ausfahrt des Kreisels vor der Autobahnbrücke, die genau in diese Wiese mündet, den EDEKA-Neubau und das Harsdorfer Windrad.

Dass auf einem eingeschossigen Lebensmittelmarkt mit Flachdach keine Photovoltaik- o. ä. Anlagen angebracht werden, ist nicht nachvollziehbar. Auf öffentlichen Gebäuden ist dies zwingend anzustreben und umzusetzen;
bei privaten Gebäuden könnte es, ebenso wie Zisternen, im Rahmen der Bauleitplanung gefordert werden; das gilt auch für bzw. gegen steinerne Vorgärten u. a. – Eine Baumschutzverordnung ist ebenfalls lange
überfällig.

Während der Erörterung alternativer Energien entfachte sich am Harsdorfer Windrad eine Windrad-Diskussion. Schon einmal habe man versucht, auf dem Bindlacher Berg Windräder zu installieren. Solange es aber die 10H- Regelung gibt, stehen die Chancen schlecht. Zwei bis drei Windräder würden genügen, um den Bedarf für Bindlach zu decken. Es wurden auch die Nachteile von Windkraft diskutiert, u. a. für die Vogelwelt. Wichtig ist, immer die Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen.

Andreas von Heßberg würde auf jeden Fall ohne Investor die Klimaneutralität ansteuern. Auch Hackschnitzelwerk und Biogasanlagen wurden angesprochen. – Es gibt viele Wege, man muss anfangen sie zu gehen.

Die Gruppe bewegte sich nun in die Fläche hinein, mit Kind und Kegel bzw. drei Hunden. Andreas von Heßberg erläuterte die Bedeutung einer Kaltluftschneise, die in diesem Falle vom Oschenberg und von Allersdorf her komme. Sie sorge in heißen Sommern – und eine Erwärmung um 4° für Franken ist prognostiziert – für den kühlenden Luft-Austausch in der Nacht. Schon ein Lärmschutzwall kann diesen Effekt verhindern, geschweige denn eine massierte Bebauung auf relevanten wie auch anderen Flächen. Und zudem sei die Naturwertigkeit der Storchenwiese hoch.

Zu Fuß gingen wir – nach einer Stunde auf der Storchenwiese ziemlich durchgefroren – zum TSV Sportheim, wo sich der Vortrag über Klimaschutz von Lisa Badum anschließen sollte. Die Plätze waren gut gefüllt. Lisa Badum wies energisch darauf hin: Die nächsten 10 Jahre sind entscheidend! Denn Hitzesommer und kein Gleichgewicht mehr zwingen zum Handeln. Die Kommune des 21. Jahrhunderts sollte Visionen haben: Car-Sharing, Fahrradstraßen – wie die „Rue Par Velo“/Paris -, gesicherte Radparkplätze am Bahnhof… Das Ziel muss die klimaneutrale, der Weg dahin die klimaaktive Gemeinde sein. Es bedarf eines Klimabeauftragten, des Klimaschutzmanagements und Klimachecks durch das Landratsamt. Es sollte der „Klimanotstand“ ausgerufen werden, dann müsse die Gemeinde ihr Handeln entsprechend auf den Prüfstand stellen und hat auch die Möglichkeit, z.B. bei Ausschreibungen klimafreundlichen KOnzepten den Vorzug zu geben. Damit müssen „am Ende des Tages […] die sich rechtfertigen, die alles versiegeln.“ Bindlach braucht eine klimaneutrale Verwaltung, eine Energieberatung vor Ort.

Tempo 30 in Ortschaften kann die Regel werden. Warum nicht endlich 130 km/h auf den Autobahnen? „Kiss and Ride“-Zonen – wo Eltern ihre Schulkinder bringen und abholen – ließen sich ganz einsparen. Ein Parkplatz für ein Auto ist mit 12,5 qm so groß wie ein Kinderzimmer. Stellplatzverordnungen kann man per Bauleitplanung unterschreiten. „Das Auto nicht über den Menschen stellen!“ Das Ziel muss es sein, dass die Menschen weniger auf ein eigenes Auto angewiesen sind. Das bedeutet auch einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Der Straßenbau wurde über Jahre gefördert mit + 40 %, der Bahnausbau hingegen mit – 20 % „vernachlässigt“.

Das grüne Jahrzehnt hat begonnen: Betonversiegelung stoppen – Bündnisse schmieden statt spalten…


Rege Diskussionen schlossen sich an.

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