Erfahrungen aus dem ersten Jahr als Bürgermeister in Ahorntal

Florian Questel, erster grüner Bürgermeister in Oberfranken und erster evangelischer Bürgermeister in Ahorntal

Florian Questel stammt aus Uffenheim in Mittelfranken. Und da wurde er vor Jahren mit dem Konzern Monsanto konfrontiert, der sich dort ansiedeln wollte. Ein Ortsverband der GRÜNEN wurde gegründet, die Äcker besetzt mit dem Ziel, den Standort Monsanto in Uffenheim zu verhindern, was schließlich gelang. Florians Vater war erstes grünes Stadtratsmitglied. Auch von daher war der Weg geebnet.

Ahorntal ist eine Gemeinde mit ca. zweieinhalbtausend Einwohner*innen und erstreckt sich in vielen kleinen und kleinsten Ortschaften und Weilern über eine Fläche von 43 km2 (so groß wie Rothenburg). In der vorausgegangenen Periode war das Bürgermeisteramt Ehrenamt. GRÜN war nicht besonders „in“.

Der vorherige Bürgermeister trat zurück, zunächst gab es nur einen Kandidaten. Florian entschied sich, selbst als Bürgermeister zu kandidieren. Ein durchaus anstrengender Wahlkampf brachte ihm knapp 72% ein. Damit hatte keiner gerechnet. Denn Gegenwind gab es ordentlich. Das Rathaus steckte immerfort in Querelen. Ein halbes Jahr lang musste Florian ohne Geschäftsstellenleiter und Kämmerer auskommen. Seine Arbeitszeit als nun hauptamtlicher Bürgermeister erstreckte sich auf bis zu 80 Stunden pro Woche.

Heute hat sich alles eingespielt und einiges konnte bewerkstelligt werden. Die Wasserversorgung (mit Adlitz) ist autark. Ziel ist es auch, energieautark zu werden (u. a. mit Windkraft). Die Beleuchtung ist auf insektenfreundliches LED-Licht umgerüstet.

Transparenz in allen Bereichen ist die Devise. Der gemeindliche Anzeiger erscheint alle zwei Monate kostenlos: darin werden alle Ausschreibungen, Pachtverträge etc. veröffentlicht, das Titelfoto wird von Bürger*innen eingereicht; aus den sechs Ausgaben pro Jahr wird Ende des Jahres das beste gekürt. Auch gibt es seitdem jedes Jahr einen Tag der offenen Tür im Rathaus. Der Vortrag löste eine rege Diskussion, u.a. über Bürgerbeteiligung, Möglichkeiten der Vergabe an regionale Betriebe und die Bedeutung von motivierender Mitarbeiterführung und Kommunikation, aus. Wir wünschen Florian weiterhin viel Erfolg in seinem Tun und auch künftig viel Freude an seinem Bürgermeisteramt, „dem schönsten Beruf der Welt“.

Verwandte Artikel